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Martin Schulz: Zukunftsplan

https://martinschulz.de/zukunftsplan/

Rechtsextremismus in Kirchen

Thomas Witzgall

Das Foto zeigt von links nach rechts:
Christian Müller, Florian Ritter, Wolfgang Thierse, Annette Ganssmüller-Maluche, Diana Stachowitz

Rechtsextreme Einstellungen machen auch vor Kirchentüren nicht halt. Christinnen und Christen sind eine umworbene Zielgruppe rechtspopulistischer Parteien. Daher trafen sich in München auf Einladung der BayernSPD-Landtagsfraktion Expertinnen und Experten mit rund hundert Gästen zum Gespräch über die Gefahr des Rechtsextremismus in Kirchengemeinden und zur Diskussion darüber, wie man ihr am besten und wirksamsten aus christlicher und politischer Sicht begegnet.



"Auch in München finden sich in konservativen Kirchenkreisen Christen, die für rechtspopulistisches und völkisch-neurechtes Gedankengut empfänglich sind“, weiß Kirchenpolitikerin Diana Stachowitz MdL und Mitglied im Sprecherkreis des AKC. Hintergründe dafür sind zum Beispiel Angst vor Überfremdung und Nachrichten über massive Christenverfolgungen in anderen Ländern. Es sei eine geschichtliche und eine aktuelle Erfahrung, dass auch Christen und Christinnen menschenfeindliche Ideologien vertreten, der kirchliche Antisemitismus stelle dabei eine besondere Schuldverstrickung dar, beklagt auch die 2011 gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus.



Dagegen müssen Christen „klare Kante“ zeigen, betont Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse immer wieder. Thierse, langjähriger Sprecher des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ZdK, setzt sich in Gesprächen und Vorträgen dafür ein, die Nöte und Kritikpunkte der Christen zu erfragen, die sich solchen extremistischen Positionen annähern oder sie vertreten. Um dann mit ihnen darüber zu diskutieren, dass rechte Ideologien "eine problematische Antwort auf die Probleme und Nöte und Ängste sind, eine Antwort, die unsere offene Gesellschaft, unsere Demokratie gefährdet.“



Werte und Normen verschieben sich, erläuterte Wolfgang Thierse den Zuhörern, darunter Vertreter von Kirchen, kirchlichen Organisationen und Gemeinden aus München und Bayern. Radikale Tendenzen nehmen zu, und wir erleben einen vertrauten gefährlichen Mechanismus, so Thierse: Je komplexer die Lösungen schienen, desto größer sei der Wunsch nach einfachen Antworten und die Sehnsucht nach starker Führung. Aktuelle Zahlen sprechen - leider - eine deutliche Sprache: Die Leipziger Studie über die „enthemmte Mitte“ zeigt, dass 21,5 Prozent der Katholiken und 17,9 Prozent der Protestanten ausländerfeindlich eingestellt sind. 15,5 Prozent der Katholiken und 12,9 Prozent der Protestanten vertraten in der Studie chauvinistische Positionen, 5,7 Prozent der Katholiken und 5,4 Prozent der Protestanten äußerten sich antisemitisch. Offenbar, so Thierse, dringen die vielen guten Papiere und Stellungnahmen der Kirchen nicht bis zur Basis durch. Deshalb bestehe die größte Herausforderung darin, das Gespräch in den Gemeinden zu suchen - und die Menschen in den Gemeinden zu solchen Gesprächen zu befähigen.



Gemeinden seien einer der wenigen Orte, wo Menschen unterschiedlicher Kultur und Hintergründe zusammenkommen und die Möglichkeit haben, ins Gespräch zu kommen, sagte auch der Extremismus-Experte der SPD Florian Ritter. Deshalb seien die Debatte und Diskussionen in den Gemeinden so wichtig.



Die BayernSPD Landtagsfraktion hat ein gemeinsames Antragspaket mit den Landtagsgrünen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus verabschiedet. Die SPD-Kirchenpolitiker sind im regelmäßigen Kontakt mit Vertretern von katholischer und evangelischer Kirche und der muttersprachlichen Gemeinden. „Wir sind gerne bereit, zu Gesprächen zum Thema Rechtsextremismus in die Kirchengemeinden zu kommen“, versichert die kirchenpolitische Sprecherin Diana Stachowitz. mit den Landtagsgrünen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus verabschiedet. Die SPD-Kirchenpolitiker sind im regelmäßigen Kontakt mit Vertretern von katholischer und evangelischer Kirche und der muttersprachlichen Gemeinden. „Wir sind gerne bereit, zu Gesprächen zum Thema Rechtsextremismus in die Kirchengemeinden zu kommen“, versichert die kirchenpolitische Sprecherin Diana Stachowitz.

Weitere Informationen unter https://diana-stachowitz.de/news/liebe-deinen-naechsten-wie-dich-selbst/

THESEN FÜR GERECHTIGKEIT

Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 haben wir gefragt, was die wichtigste These für Gerechtigkeit im Wahljahr 2017 ist. Viele haben unter dem Hashtag #These2017 auf Twitter, Instagram und Facebook mitgemacht. Kirchentagsbesucherinnen und -besucher konnten auch analog bei uns am Stand auf dem Markt der Möglichkeiten ihre Meinung sagen.

Heute haben wir die drei Thesen für Gerechtigkeit, die am häufigsten genannt wurden, unserem Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz übergeben!

Das Votum war eindeutig! Mehr Bildung, mehr soziale Gerechtigkeit und ein Ende der Rüstungsexporte! Im Wortlaut haben wir folgende Thesenpapiere übergeben:

Es ist Zeit für… … MEHR GELD IN DER BILDUNG
(Kitas ausbauen, BAFÖG fördern, mehr Geld für Erzieher/innen, bessere Ausbildungsbedingungen im Erziehungsbereich, Förderung des Fachabiturs)

Es ist Zeit für… … MEHR SOZIALE GERECHTIGKEIT
(Mehr Leistungen für Arme; gerechtere Steuern: Familien steuerlich begünstigen, Kapital statt Arbeit besteuern; höherer Mindestlohn; höhere Löhne im Sozialsektor)

Es ist Zeit für… … WENIGER RÜSTUNGSEXPORTE
(Waffenexporte stoppen, friedliche Außenpolitik fördern, Einsatz für Frieden in der Welt)

Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen: Politik und Verantwortung im 21. Jahrhundert

Am 10. März fand die Jahrestagung des AKC in Zusammenarbeit mit der SPD-Bundestagsfraktion statt.

Thomas Oppermann eröffnete die Tagung „Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen“ und wies dabei auf drei Dinge hin, nämlich erstens auf die Bildungsexpansion in der Reformationszeit mit der unglaublichen Kulturleistung, die Bibel zu übersetzen. Außerdem habe sich ein neues Verständnis von Gerechtigkeit durchgesetzt, mit dem Luther festgestellt habe, dass es vor Gott keine besseren und schlechteren Menschen gibt. Drittens sei die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt gerückt, der man gerecht werden müsse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann ist Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum. Sie beschrieb auf der Tagung der SPD-Bundestagsfraktion und des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD die Herausforderung des Reformationsjubiläums. „In Fragen des Glaubens und des Gewissens ist jeder Mensch frei“, zitierte sie Luther. Er habe den Weg zum solidarischen Staat, zur Teilhabe und zur Demokratie vorgezeichnet. „Jeder der getauft ist, ist Priester, Bischof oder Papst.“ Widerständig gegen die Obrigkeit zu sein, habe die evangelische Kirche erst sehr spät gelernt, so Käßmann. „Du sollst selbst lesen.“ Das sei für die Abwehr jedweden Fundamentalismus‘ sehr wichtig. „Luthers Antijudaismus, dem weichen wir nicht aus.“

„Wir möchten das Thema Reformation ein bisschen näher an die Politik bringen“, sagte Kerstin Griese in der anschließenden Diskussion. Große Sorgen mache ihr der wachsende Populismus. Ob Luther twittern würde? „Ich fürchte ja“, sagte Käßmann. Aber er wäre lernfähig gewesen, hoffte sie. „Mein Ziel ist keine Einheitskirche“, sagte Käßmann auf Grieses Frage nach dem Stellenwert der Ökumene. Allerdings gebe es das frühere Gegeneinander glücklicherweise nicht mehr. „Auch die Politik kann sich nicht in Muße, Stillstand und Gleichklang üben“, machte Margot Käßmann die Bedeutung von Reform und Reformation in Kirche und Gesellschaft deutlich. Da, wo die Würde und das gleiche Lebensrecht von anderen Menschen angegriffen werde, da sei die Grenze für einen Dialog. „Das ist aber völlig unabhängig davon, welcher Partei er angehört.“

In der Folgenden Podiumsdiskussion zum Thema „Freiheit, Gewissen und Verantwortung im politischen Diskurs“ sagte Christoph Matschie: „Christsein ist keine Sofareligion.“ Frömmigkeit allein helfe nicht weiter, sondern man müsse aktiv werden. „Ich kann mir kein Christsein vorstellen, das nicht auf andere bezogen ist.“ Kerstin Griese fragte, wie man im Wahlkampfstrudel den inneren Kompass behalte. Inhaltlich dürfe man zuspitzen, war Matschie überzeugt, aber der persönliche Angriff gehe zu weit.

„Leser mögen Konflikte“, meinte Matthias Drobinski, Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Faktenfreie Meinungen würden aber nicht akzeptiert. Ein guter Teil seiner Arbeit bestehe mittlerweile darin, den Lesern zurückzuschreiben. „Ist das Internet so etwas wie die Lutherübersetzung, also mehr Transparenz?“, fragte Kerstin Griese. Tatsächlich änderten sich damals Kommunikationstechniken, bejahte Drobinski. „In Teilen passieren ähnliche Dinge heute. In 10 – 15 Jahre werden wir im Netz erscheinen. Das ist mehr als die technische Änderung.“

„Kirche ist keine einheitliche Gruppe“, betonte Prof. Dr. Anne Käfer, Direktorin des Seminars für Reformierte Theologie der Universität Münster. „Die Glieder sollen sehr wohl für die Gemeinschaft tätig sein. Die Menschen müssen gebildet werden, und zwar in theologischer Hinsicht, damit die dann ordentlich Politik machen. Dann funktioniert die politische Tätigkeit der Christenmenschen“, so Käfer auf der SPD-Reformationstagung im Reichstagsgebäude.

Daraufhin diskutierten Dr. Ernst-Dieter Rossmann, Dr. Diana Dressler, Lydia Nofal und Timm Renner zum Thema „Chancengleichheit und Teilhabe als Folge reformatorischer Bildungspolitik“.

Die Freiheit des Einzelnen sei ein wichtiges Ergebnis der Reformation, sagte Dagmar Mensink (AKC) als Moderatorin. „Was brauchen wir an Gemeinsamem, um Vielfalt leben zu können?“, fragt sie. Lydia Nofal (JUMA – jung muslimisch aktiv) wies darauf hin, dass junge Menschen durchaus eine Identität haben. Diese sei weder nur deutsch noch nur arabisch-türkisch. „Es gehört dazu, dass man ganz unterschiedliche Herkünfte hat. Das ist so normal für Kinder und Jugendliche wie verschiedene Haarfarben“, so Nofal.

Bildung habe immer auch den Zweifel in sich, sagte Ernst-Dieter Rossmann (SPD-Bundestagsfraktion). „Bildung gibt Kraft, sich auf anderes einzulassen.“ Nicht in der Geschichte bleiben, sondern den Blick auf die Zukunft der religiösen Bildung zu richten, darum gehe es. „Wir brauchen gebildeten Glauben und gebildeten Unglauben.“ Weshalb sei es „fast sakrosankt“, über die Qualität des Religionsunterrichts zu diskutieren, fragte Rossmann.

„Die jüdische Tradition ist eine Tradition der Bildung, nicht umsonst wird sie Schriftreligion genannt“, betonte Diana Dressel (Jüdisches Museum Berlin). Ohne die Schoah gäbe es das Jüdische Museum in der Form nicht. Jüdisch sein bedeutet sehr, sehr viel. Jede Minderheit müsse eine Stimme in der Gesellschaft haben. Dressel wünschte, dass sich Kinder schon sehr früh mit Religion auseinandersetzen.

„Brauchen wir Pop, brauchen wir Goethe, oder brauchen wir noch viel mehr?“, fragte Dagmar Mensink. „Wir brauchen alles“, war der SPD-Kulturexperte Tim Renner überzeugt und forderte, die Menschen machen zu lassen. „Das ist einer der Vorteile der Digitalisierung, dass man sich leichter einbringen kann.“ Bis in die 70er Jahre habe sich kulturelle Integration am Vorbild Roberto Blancos orientiert. Inzwischen werde die Parallelität von Kulturen akzeptiert. Der nächste Schritt sei der additive Kulturbegriff, wie er sich in den USA bei Jazz, Blues, Swing, Rock’n’Roll und Pop durchgesetzt habe.

Wolfgang Thierse, der gemeinsam mit Kerstin Griese Sprecher des AKC ist, forderte in einem Fazit der Tagung mehr Einsatz für die Verteidigung der Demokratie und der Freiheit. „Christen dürfen der Auseinandersetzung nicht aus dem Weg gehen, der Auseinandersetzung mit Pegida und Co und der AfD. Manchmal geht es nicht anders als Ross und Reiter zu nennen“, appellierte Thierse an die Kirchen. „Wenn Religion Teil des Problems einer konfliktreichen Welt ist, dann muss sie auch Teil der Lösung sein. Die Reformationsgeschichte ist lehrreich als Geschichte der Mäßigung und des langsamen Erwerbs von Toleranz“, sagte er zum Abschluss der Tagung.

Gemeinsame Presseerklärung über die Begegnung des Präsidiums der SPD mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Foto:epd-Bild/Christian Ditsch

Das Präsidium der SPD unter der Leitung des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel und Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter der Leitung des Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, haben sich am 23. Januar im Berliner Haus der EKD zu einem zweistündigen Gespräch getroffen.
Hauptthemen waren die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland und Europa, die Gestaltung der Integration von Flüchtlingen sowie ein Ausblick auf das Reformationsjahr 2017.
SPD und EKD waren sich einig, dass dem Zusammenhalt der Gesellschaft angesichts der aktuellen Herausforderungen in Deutschland und Europa eine besondere Bedeutung zukommt. Landesbischof Bedford-Strohm unterstrich in diesem Zusammenhang die herausgehobene Verantwortung der Parteien für eine freiheitliche demokratische Gesellschaft.
Eine herausragende Aufgabe der kommenden Jahre bleibt nach Auffassung der Gesprächsteilnehmer die Integration von Flüchtlingen. Dabei sei die Mitwirkung aller gesellschaftlichen Kräfte gefordert. Kirche und SPD zeigten sich dankbar für das Engagement hunderttausender Ehrenamtlicher. Es bleibe ein Gebot der Humanität, Menschen in einer konkreten Notsituation Hilfe zu leisten und ihr Leben zu schützen.
Sowohl der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel als auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm unterstrichen die besondere Bedeutung, die dem Jahr 2017 durch das 500. Jubiläum der Reformation zukommt. Die religiösen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen der Reformation hätten die Weltgeschichte bis heute mitgeprägt.
Mit dem Reformationsjubiläum 2017 soll national und international an diesen Beitrag erinnert werden.
Nach dem offenen und konstruktiven Gespräch wurde verabredet, den bewährten Austausch zwischen dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Präsidium der SPD regelmäßig fortzusetzen.
Hannover / Berlin, 23. Januar 2017

An dem Gespräch nahmen teil:

EKD:

Heinrich Bedford-Strohm (Ratsvorsitzender, Landesbischof Ev.-Luth Kirche in Bayern)
Markus Dröge (Bischof Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz)
Kirsten Fehrs (Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Ev.-Luth.Kirche in Norddeutschland
Kerstin Griese (Mitglied des Rates der EKD / s. auch SPD)
Jacob Joussen (Mitglied des Rates der EKD)
Volker Jung (Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau)
Thomas Rachel (Mitglied des Rates der EKD)
Irmgard Schwaetzer (Präses der Synode der EKD)
Martin Dutzmann (Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union)
Stephan Iro (Stellvertreter des Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union)
Katrin Hatzinger (Leiterin der Dienststelle Brüssel des Bevollmächtigten der SPD)
Ulrich Anke (Präsident des Kirchenamtes der EKD)
Horst Gorski (Vizepräsident und Leiter des Amtes der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, VELKD)

SPD:

Sigmar Gabriel (Parteivorsitzender, Vizekanzler, Bundesminister f. Wirtschaft u. Energie, MdB)
Hannelore Kraft (Stellv. Parteivorsitzende, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen)
Manuela Schwesig (Stellv. Parteivorsitzende, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Katarina Barley (SPD-Generalsekretärin, MdB)
Dietmar Nietan (SPD-Schatzmeister, MdB)
Martin Schulz (Europabeauftragter der SPD, Präsident des Europ. Parlaments a.D., MdEP)
Juliane Seifert (SPD-Bundesgeschäftsführerin)
Thomas Oppermann (Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, MdB)
Ute Vogt (Mitglied des SPD-Präsidiums, stellv. Vors. der SPD- Bundestagsfraktion, MdB)
Kerstin Griese (Mitglied d. SPD-Bundesvorstandes, Sprecherin d. AKC, Vors. des Bundestags-Ausschusses für Arbeit und Soziales, MdB)
Wolfgang Thierse (Sprecher d. AKC, Bundestagspräsident a.D.)
Christine Lambrecht (Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, MdB)

Link: http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2017_01_23_08_treffen_spd.html

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Erhard Eppler!

Alles Gute und herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, Erhard Eppler!

Erhard Eppler steht für verantwortliche Politik im Geist der Friedensbewegung und der ökologischen Nachhaltigkeit, für Solidarität und das Bemühen um das Zusammenwachsen von Ost und West. Er hat zahlreiche Aufgaben bewältigt und Ämter mit Profil gefüllt, als Bundesminister für wirtschaftliche Entwicklung, als Abgeordneter im Bundestag und im Landtag Baden-Württembergs und nicht zuletzt in der Führung der SPD und besonders auch als langjähriger Vorsitzender der Grundwertekommission.

Dies tut er auch als überzeugter Christ, was in seinem öffentlichen Wirken immer wieder deutlich wurde. Er hat in die Partei hinein und auch über die SPD hinaus Zeichen gesetzt dafür, dass Christsein und Sozialdemokratie zusammen passen. So hat er dazu beigetragen, die SPD zu öffnen für ein Miteinander mit Kirchen und Religionsgemeinschaften, um gemeinsam an einer hoffnungsvollen Zukunft zu arbeiten.

Der Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD gratuliert herzlich!

Wir trauern um Rüdiger Reitz

Rüdiger Reitz (1938 - 2016)

Hiermit möchten wir Rüdiger Reitz gedenken, der im Sommer diesen Jahres im Alter von 78 Jahren nach längerer Krankheit verstorben ist. Rüdiger Reitz war, wie der Stern 1979 zu berichten wusste, ein "Polit-Theologe". So tourte er, während er auch persönlicher Referent des stellv. SPD-Parteivorsitzenden Hans Koschnik war, durch die Kanzeln rheinischer Gemeinden und verkündete dort als Aushilfeprediger das Evangelium. 1980 mit 41 Jahren konnte er sich, mit größeren Vollmachten ausgestattet, wie sogar der Südkurier Konstanz schrieb, dann wieder ganz dem Verhältnis SPD und Kirche widmen. Die SPD wollte ihr Verhältnis nicht nur zur "Amtskirche", sondern auch zu den vielfältigen kirchlichen Organisationen verbessern. Hierbei gehe es um geistige Aufgaben, so versicherte Rüdiger Reitz, nämlich um das kulturelle Wechselverhältnis zwischen Sozialdemokratie und Christentum - eine Arbeitsbeschreibung, die auch vom heutigen Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD hätte stammen können.

Evangelischer Kirchenreferent beim Bonner SPD-Parteivorstand, das war seine eigentliche Berufung. Bereits im Juni 1973 war er vom damaligen Bundesgeschäftsführer Holger Börner eingestellt worden, um "die Beziehungen der SPD zu den beiden großen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften organisatorisch zu betreuen". 1974 kam der bereits 2003 verstorbene Diplom-Theologe Burkhard Reichert für den katholischen Bereich hinzu. Dass für jede der beiden großen christlichen Konfessionen ein eigenes Referat mit einem Referenten und einer Sekretärin eingerichtet wurde, war ein einmaliger Vorgang in der deutschen Parteiengeschichte. Beide pflegten persönliche und institutionelle, formelle und informelle Kontakte zu den Kirchen, informierten laufend den Parteivorstand über aktuelle Entwicklungen und Tendenzen sowie atmosphärisch wichtige Hintergründe, bereiteten die Gespräche der SPD mit Kirchenvertretern vor, verfassten Entwürfe für Reden und Schreiben der Vorstandsmitglieder, koordinierten die Parteipräsenz auf Kirchentagen und unterstützten die regionalen und lokalen Arbeitskreise SPD-Kirche, die 1973 zuerst in Bayern entstanden waren.

Rüdiger Reitz war nach seiner Ordination in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau journalistisch tätig. Beim ZDF hatte er ein Volontariat absolviert und dort anschließend als fester freier Mitarbeiter im Bereich "Kirche und Leben" gearbeitet. Auf Empfehlung Erhard Epplers, des Beauftragten der SPD für die Kontakte zur Evangelischen Kirche, hatte er dann die Position des evangelischen Kirchenreferenten beim SPD-Parteivorstand erhalten, die er bis 1999, bis zum Umzug nach Berlin, der für ihn nicht mehr infrage kam, ausübte. Rüdiger Reitz hatte sich sehr dafür eingesetzt, dass es auf der regionalen Ebene entsprechende Arbeitskreise SPD-Kirche gab, und die übergreifende Zusammenarbeit koordiniert.

Ich selbst war seit 1991 Kollege von Rüdiger in der Abteilung "Politik und Zielgruppen" im Bonner Erich-Ollenhauer-Haus. Wir verstanden uns, obwohl ich als eine Art agnostischer Katholik mit linksakademischem Westberliner Hintergrund irgendwie ganz anders tickte. Ich hatte sein Buch "Christen und Sozialdemokratie" in den achtziger Jahren gelesen, hatte großen Respekt vor einem solchen Wurf. Schließlich ergab sich es gar, dass ich, der ich immer von Berlin aus nach Bonn pendelte und die Hotelübernachtungen satt hatte, für ein paar Jahre während der Arbeitswoche bei ihm einzog, im (damals ziemlich heruntergekommenen) Wein-Dorf und Willy-Brandt-Dorf Unkel. In einem liebevoll restaurierten Fachwerkensemble, der mythische Fluss nur ein paar Meter entfernt, genoss ich die Rheinromantik, fühlte mich während harter und chaotischer Berufsjahre, was die ästhetische Seite anging, immer wie im Urlaub. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem Rüdigers liebevoll sensible Art, seine kleinen Gesten der menschlichen Zuneigung, der morgendliche frisch gepresste Orangensaft, ohne den ich das Haus niemals verlassen durfte.

Man spürte seine christliche Nächstenliebe in jeder Begegnung. Er hatte eine große Begabung auf andere Menschen zuzugehen und zuzuhören, nie habe ich ihn agitierend oder ausrastend erlebt, eher immer in großer Sorge um die Mitmenschen, auch die beim Parteivorstand, und erst recht um die Zukunft der SPD, deren heutige Krisen sich ja in den neunziger Jahren bereits ankündigten.

Für Rüdiger war der Tod kein Unbekannter, er war oft als pastoraler Trauerredner aufgetreten. Er reduzierte damals seine Arbeitszeit beim SPD-Parteivorstand und baute eine Begräbnisgenossenschaft mit dem schönen Namen Begleitung in Köln auf. Das Genossenschaftswesen als demokratischer Sozialismus von unten war seine zweite Leidenschaft - darüber könnte auch einmal wieder, zum Beispiel gegen die Preisexplosion des Wohnens in den Städten, mehr nachgedacht werden. Das Geschäftliche in Köln nahm wohl kein gutes Ende.
Was uns bleibt, ist sein Text in der Dokumentation der Frankfurter Rundschau von 1996: "Das Kulturgut Tod darf nicht länger ignoriert werden. Acht Thesen zur Reform des Bestatterwesens", denn "vor dem Hintergrund des radikalen Wandels der Gesellschaft und der damit verbundenen Auflösung von Gewißheiten und Verbindlichkeiten hat sich auch der Umgang mit dem Tod einschneidend verändert". - Wo wird eigentlich heute noch über zeitgemäße Trauerkultur diskutiert? - Auch da war Rüdiger Reitz seiner Zeit ein Stück voraus.

Es steht mir eigentlich nicht zu so etwas zu formulieren, aber ich bin mir gewiss, dass Rüdiger Reitz in der protestantischen Hälfte des Himmels, die vielleicht eine sozialdemokratische Abteilung besitzt, bestimmt einen ziemlichen Ehrenplatz erhalten hat!

Klaus-Jürgen Scherer, Berlin

Frank-Walter Steinmeier und Kerstin Griese

"Die Welt ist aus den Fugen geraten.": Friedensethische Grundsätze und politische Verantwortung im 21. Jahrhundert

Freitag, 15.04.2016, 13:00 Uhr bis 18:30 Uhr
Deutscher Bundestag, Reichstagsgebäude 3. Etage, SPD-Fraktionssaal, Raum 3S001,
Platz der Republik 1, 10117 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Die Welt ist aus den Fugen geraten." So beschreibt Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier die Weltlage angesichts der gegenwärtigen Krisen und Kriege. Der brutale Bürgerkrieg in Syrien geht in sein sechstes Jahr - Hunderttausende starben, wurden verwundet, hungern oder sind auf der Flucht. Die Terrormiliz IS, deren Hassprediger auch junge Menschen aus Europa für ihren Kampf gewinnen, wütet barbarisch. Und die Anschläge islamistischer Selbstmordattentäter in Paris und Istanbul zeigen, dass uns die globalen Konflikte direkt betreffen.

Deutschland hat in dieser Situation eine besondere außenpolitische Verantwortung. Die SPD-Bundestagsfraktion weiß, dass die komplexen Konflikte der Gegenwart nicht nur militärisch gelöst werden können und dass zivile Konfliktlösungen immer Vorrang haben. Darin ist sie sich mit denen einig, die vor einer militärischen Beteiligung Deutschlands in Krisengebieten warnen. Zugleich unterstützt Deutschland auch mit militärischen Fähigkeiten den Kampf gegen den IS. Auch wenn dieser Einsatz völkerrechtlich legitimiert ist, hat sich niemand in der SPD-Bundestagfraktion diese Entscheidung leicht gemacht.

Frieden zu schaffen, bleibt das gemeinsame Ziel. Doch was sind heute die Grundsätze einer überzeugenden Friedensethik, die den Konflikten gerecht werden? Wie sieht eine ethisch verantwortbare und zugleich politisch wirksame Antwort auf postmoderne Kriege aus? Und was folgt daraus für das Handeln der SPD-Bundestagsfraktion?

Diese Fragen möchten wir mit Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und Fachleuten für Friedensethik aus Kirchen und Religionsgemeinschaften diskutieren.

Dazu lädt die SPD-Bundestagsfraktion in Kooperation mit dem Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD (AKC) herzlich ein. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen

Ihre SPD-Bundestagsfraktion

Kerstin Griese, MdB Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften

Dr. Rolf Mützenich, MdB Stv. Fraktionsvorsitzender

Niels Annen, MdB Außenpolitischer Sprecher

Das detaillierte Programm finden Sie hier:

http://www.spdfraktion.de/termine/2016-04-15-welt-fugen-geraten

Rede Frank-Walter Steinmeier

Abschlussrede Wolfgang Thierse