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27.07.2020

Wir trauern um Hans-Jochen Vogel

(C) Dominik Butzmann

Hans-Jochen Vogel ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Mit ihm verlieren wir einen überzeugten und überzeugenden Sozialdemokraten, der seine politische Haltung als Konsequenz seiner christlichen Überzeugung verstand. Er wird uns fehlen. Unsere Gedanken sind bei seiner Witwe und bei seinen Kindern.
Hans-Jochen Vogel wurde 1926 in Göttingen geboren. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg. Die Erfahrung, dass Frieden, Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind, hat Hans-Jochen Vogel nie vergessen. Für ihn bedeutete das Vermächtnis von Otto Wels und vielen aufrechten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die Verantwortung für ein entschiedenes Eintreten gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.
1950 trat er in die SPD ein. Er selbst begründete seinen Eintritt mit seiner christlichen Grundhaltung. Für ihn war klar, was erst Jahre später auch die Kirche anerkannte: Dass der demokratische Sozialismus in Vielem der katholischen Soziallehre nahe stand und steht. So war er auch einer der Wegbereiter dafür, dass die SPD mit dem Godesberger Programm von 1959 die jüdisch-christlichen Wurzeln der Sozialdemokratie anerkannte und ihr Verhältnis zu den Kirchen grundlegend positiv bestimmte.
Mit 34 Jahren wurde Hans-Jochen Vogel Oberbürgermeister von München. 1972 ging Hans-Jochen Vogel als Bundesminister für Bau und Raumentwicklung in das Kabinett von Willy Brandt. Zwei Jahre später wechselte er in ein anderes Ressort und wurde Bundesminister der Justiz, ein Amt, das er bis 1981 inne hatte. Sein politisches Handeln prägte seine unverbrüchliche Klarheit der Prinzipien: Auch in schwierigsten Situationen stand Hans-Jochen Vogel für die Überzeugung, dass Recht und Gerechtigkeit der Maßstab für Politik sein müssen. Das zeigte sich nicht nur in seinem besonnenen und verantwortungsvollen Handeln nach dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972, nach der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer und der Ermordung seiner Begleiter sowie nach der Entführung eines voll besetzten Passagierflugzeugs nach Mogadischu im Herbst 1977.
In der Nachfolge von Herbert Wehner führte Hans-Jochen Vogel von 1983 bis 1991 die Bundestagsfraktion der SPD. Hans-Jochen Vogel prägte durch sein Wirken in zahlreichen Ämtern auch die parteiinterne Entwicklung der SPD, unter vielen weiteren Stationen sind sein langjähriges Wirken im SPD Parteivorstand und in der Grundwertekommission zu nennen. Von 1987 bis 1991 war Hans-Jochen Vogel Vorsitzender der SPD.
Wir erinnern uns an Hans-Jochen Vogel als überzeugten Menschen, als engagierten Christen und Sozialdemokraten, als fairen Streiter und kluge Persönlichkeit mit großer persönlicher Integrität. Als überzeugter Katholik hat er viel für die Verständigung von SPD und Kirchen geleistet. Er hat auf seinem politischen Lebensweg in beeindruckender Weise gezeigt, dass der christliche Glaube dazu auffordert, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, dass Eigentum verpflichtet und dass jeder Mensch dasselbe Recht auf Achtung und Respekt hat.
Den Arbeitskreis Christinnen und Christen in der SPD hat Hans-Jochen Vogel bis zuletzt aufmerksam begleitet und unterstützt. Mit ihm verlieren wir einen klugen Ratgeber und einen treuen Freund. Wir werden ihn nicht vergessen.

Kerstin Griese Wolfgang Thierse